Der friedlich-evolutionäre Weg
Der friedlich-evolutionäre Weg ist der Weg eines dynamischen Gleichgewichts. Er kann sowohl aus westlicher Sicht als auch aus fernöstlicher Sicht beschrieben und begründet werden. Er lässt sich am einfachsten, alle Einzelaspekte umfassend, als der Weg des Yang im Inneren und Yin im Äußeren beschreiben. Aus westlicher Sicht ergibt sich der friedlich-evolutionäre Weg aus einer geschichtlichen Notwendigkeit.

Das Yin-Yang-Symbol steht universell für das dynamische Gleichgewicht von Gegensätzen.
Die fernöstliche Sicht
Aus fernöstlicher Sicht ist der friedlich-evolutionäre Weg der Weg des Yang im Inneren und Yin im Äußeren. Dabei beschreiben Yin, das zentrifugale Prinzip, die Aktivität der Ausdehnung und Yang, das zentripetale Prinzip, die Aktivität des Zusammenziehens. Yang im Inneren und Yin im Äußeren bedeutet Stabilität im Inneren und Flexibilität im Äußeren. Ein Mensch mit dieser Konstitution kann entschlossen und bestimmt handeln, er ist belastbar und verfolgt seine Vorhaben mit Beharrlichkeit. Gleichzeitig ist er auch geschmeidig, wohlwollend, offen und empfänglich für die Zeichen des Augenblicks. Den momentanen Umständen entsprechend wird sein Handeln stärker von der einen oder der anderen Seite geprägt sein.
Wenn aus fernöstlicher Sicht Yang im Inneren ist und Yin im Äußeren, stehen die beide Urprinzipien, aus denen alle Phänomene hervorgehen, an der richtigen Stelle. Diese Verfasstheit erlaubt es immer wieder neu, ein dynamisches Gleichgewicht herzustellen.
Die westliche Sicht
Aus westlicher Sicht ist der friedlich-evolutionäre Weg eine Antwort auf die drei sogenannten Schlüsselfragen. Hier geht der Darlegung des friedlich-evolutionären Wegs eine Analyse voraus. Darin wird untersucht, wie die heute weltweit vorherrschende Geisteshaltung, die sogenannte egozentrierte Rationalität, sich auf die biologischen und sozialen Lebensgrundlagen der Menschheit auswirkt. Am Ende dieser Analyse stehen die drei Schlüsselfragen. Sie betreffen den sozialen und politischen Bereich und das nach außen wie auch das nach innen gerichtete Erkenntnisvermögen. Jede für sich beschreibt eine Herausforderung, die seit langem die Entwicklung der westlichen Zivilisation blockiert und deren Zusammenbruch bewirken kann. Um ein solches Scheitern zu verhindern, muss jeder vernunftgeleitete Weg zur Lösung der heutigen Probleme auf jede von ihnen eine tragfähige, in der Praxis bewährte Antwort liefern. Dies vermag der friedlich-evolutionäre Weg. Aus dieser Hinsicht ergibt er sich aus einer geschichtlichen Notwendigkeit.
Herausforderungen und ihre Bedeutung
Aus der Sicht der Ordnung des Universums laufen die Ereignisse in diesem Universum kausal im Sinn der dort dargelegten Prinzipien und Muster ab. Dabei ist die Reaktion auf wesentliche Herausforderungen der Schlüssel, der über Weiterentwicklung auf der einen Seite und Stagnation und Niedergang auf der anderen entscheidet. Auf wesentliche Herausforderung müssen zureichende Antworten gefunden werden, wenn Blockaden, Stagnation und schließlich der Niedergang verhindert werden sollen. Dies gilt für alle Phänomene auf ihrem evolutionären Weg. Dieser Befund wird an Hand von vier Beispielen, die römisch-katholische Kirche, die Bundesrepublik Deutschland, die Quantenphysik und die christlich-abendländische Zivilisation über teilweise Jahrhunderte währende Zeiträume überprüft. Dabei zeigt sich, dass die abendländische Zivilisation auf geistig-spirituellem Gebiet wie auf der sozialen und politischen Ebene bis heute wesentliche Herausforderungen nur unzureichend beantworten konnte. Diese stellen sich heute in einer verschärften Form, die zudem nach unserer Erkenntnis ihre äußerste Spannkraft erreicht haben, wieder.

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit drückte der US-amerikanische Umweltaktivist Bill McKibben im Jahr 2012 in seinem vom Greenpeace-Magazin veröffentlichten Artikel Es wird heiß in drei Zahlen aus. 2°C der Erderwärmung seien eine Obergrenze. Sie bedeuteten, dass bis zum Jahr 2050 etwa 565 Gigatonnen (Gt) Kohlendioxid emittiert werden können. Zugleich enthielten die bekannten Kohle‑, Gas- und Ölreserven 2795 Gt Kohlendioxid. Wie haben wir auf diese Herausforderung reagiert? Wo stehen wir heute? Erleben wir derzeit nicht dramatisch die Folgen unzureichender Antworten seit nun beinahe 50 Jahren auf diesem Gebiet? Und wie sieht es beim menschlichen Miteinander und dem nach innen und außen gerichteten Erkenntnisvermögen aus? Wo stehen wir hier? Um diese Themen geht es hier.
