Der friedlich-evolutionäre Weg
Der friedlich-evolutionäre Weg kann sowohl aus westlicher Sicht als auch aus fernöstlicher Sicht beschrieben und begründet werden. Er lässt sich am einfachsten, alle Einzelaspekte umfassend, als der Weg des Yang im Inneren und Yin im Äußeren beschreiben. Aus westlicher Sicht ergibt sich der friedlich-evolutionäre Weg aus einer geschichtlichen Notwendigkeit.

Das Yin-Yang-Symbol steht universell für das dynamische Gleichgewicht von Gegensätzen.
Die fernöstliche Sicht
Aus fernöstlicher Sicht ist der friedlich-evolutionäre Weg der Weg des Yang im Inneren und Yin im Äußeren. Dabei beschreiben Yin, das zentrifugale Prinzip, die Aktivität der Ausdehnung und Yang, das zentripetale Prinzip, die Aktivität des Zusammenziehens. Yang im Inneren und Yin im Äußeren bedeutet Stabilität im Inneren und Flexibilität im Äußeren. Ein Mensch mit dieser Konstitution kann entschlossen und bestimmt handeln, er ist belastbar und verfolgt seine Vorhaben mit Beharrlichkeit. Gleichzeitig ist er auch geschmeidig, wohlwollend, offen und empfänglich für die Zeichen des Augenblicks. Den momentanen Umständen entsprechend wird sein Handeln stärker von der einen oder der anderen Seite geprägt sein.
Wenn aus fernöstlicher Sicht Yang im Inneren ist und Yin im Äußeren, stehen die beide Urprinzipien, aus denen alle Phänomene hervorgehen, an der richtigen Stelle. Diese Verfasstheit erlaubt es immer wieder neu, ein dynamisches Gleichgewicht herzustellen.
Die westliche Sicht
Der friedlich-evolutionäre Weg ist aus westlicher Sicht ein praktischer Weg zur individuellen und kollektiven Weiterentwicklung. Beim menschlichen Miteinander geht es um die konkrete Umsetzung der sogenannten Grundwerte. Darunter werden hier die Gleichwertigkeit der Menschen untereinander und das Wertepaar Eigenverantwortlichkeit/individuelle Freiheit verstanden. Gelebte Gleichwertigkeit wahrt die eigenen Interessen und achtet die der Anderen als ebenso wichtig. Eigenverantwortlich zu handeln bedeutet, für sein Handeln verantwortlich zu sein. Deshalb werden Konflikte und Unklarheiten schnell angesprochen und auf einer Klärung bestanden, höflich und freundlich.
Gelingt es auf dieser Grundlage Gruppen Gleichgesinnter, ihre Projekte zu realisieren, errichten sie funktionierende Systeme der Selbststeuerung. Das bedeutet Gruppen freier Menschen mit einem starken Zusammenhang. Auf diesem Weg umgibt sich der Einzelne mit einem verlässlichen und belastbaren sozialen Netz, ein grundlegend wichtiger Faktor in den kommenden Zeiten.
Herausforderungen und ihre Bedeutung
Aus der Sicht der Ordnung des Universums laufen die Ereignisse in diesem Universum kausal ab. Dabei sind Herausforderungen und die Reaktion darauf der Schlüssel, der über Weiterentwicklung auf der einen Seite und Stagnation und Niedergang auf der anderen entscheidet. Dies gilt für alle Phänomene auf ihrem evolutionären Weg. Zudem wirken Kausalität und Finalität als Polarität zusammen. Diese Polarität strukturiert sämtliches Geschehen und leitet das Leben hin zu Wachstum, Ganzheit und einer immer größeren Perfektion – im Widerspruch zu den gängigen Vorstellungen der westlichen Wissenschaften. Diese Befunde werden hier an Hand von vier Beispielen gründlich überprüft.

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit drückte sich im Jahr 2012, als der US-amerikanische Umweltaktivist Bill McKibben im Greenpeace-Magazin den Artikel Es wird heiß veröffentlichte, in drei Zahlen aus. 2°C der Erderwärmung seien eine Obergrenze. Sie bedeuteten, dass bis zum Jahr 2050 etwa 565 Gigatonnen (Gt) Kohlendioxid emittiert werden können. Zugleich enthielten die bekannten Kohle‑, Gas- und Ölreserven 2795 Gt Kohlendioxid. Wie haben wir auf diese Herausforderung reagiert? Wo stehen wir heute? Zu was führt es, wenn wir uns wesentlichen Herausforderungen nicht stellen? Auch um dieses Thema geht es hier.
