Die fern­öst­li­che Sicht

Geor­ges Ohsa­wa [1893–1966], der Begrün­der der moder­nen Makro­bio­tik, stellt in der Ord­nung des Uni­ver­sums das klas­si­sche chi­ne­si­sche Ver­ständ­nis des Uni­ver­sums in einer unse­rer Zeit ent­spre­chen­den Form dar. Er wird die­se Welt­sicht welt­weit leh­ren und sich uner­müd­lich für eine Ver­stän­di­gung von Ost und West sowie für den Welt­frie­den ein­set­zen. Eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung sei­nes aben­teu­er­li­chen und enga­gier­ten Lebens und sei­ner Welt­sicht ist zu fin­den in:

Aus fern­öst­li­cher Sicht geht mit dem fried­lich-evo­lu­tio­nä­ren Weg ein Welt­ver­ständ­nis ein­her, das auf der klas­si­schen chi­ne­si­schen Welt­sicht, wie es dem Tao­is­mus und dem I‑Ging zu ei­gen ist, beruht. In unse­rer Zeit hat Geor­ges Ohsa­wa die Mus­ter, die nach die­ser Sicht dem Uni­ver­sum zugrun­de lie­gen, expli­zit for­mu­liert und die­se Sicht­wei­se die Ord­nung des Uni­ver­sums genannt. Dar­in legt er die­se Mus­ter in sie­ben Prin­zi­pi­en und zwölf Geset­zen dar. Die Ord­nung des Uni­ver­sums eröff­net dem west­li­chen, ana­ly­tisch gepräg­ten Men­schen einen Zu­gang zum klas­si­schen chi­ne­si­schen Den­ken und sei­nem Welt­ver­ständ­nis: Sie erlaubt es, Gegen­sät­ze in ih­rer Tie­fe zu ver­ste­hen und den all­ge­gen­wär­ti­gen Wan­del nach­zu­voll­zie­hen und zu anti­zi­pie­ren. Ein sol­ches Ver­ständ­nis ist unver­zicht­bar, wenn es dar­um geht, im­mer wie­der neu Gegen­sät­ze auszu­gleichen.

Nach die­sem Ver­ständ­nis steht hin­ter der Welt der Phä­no­me­ne der Urgrund, Tao genannt, der mit Hil­fe von Yin und Yang alles erschafft, erhält und zer­stört. Alles Erschaf­fe­ne ist unbe­stän­dig und dem Wan­del unter­wor­fen. Gegen­sät­ze ste­hen sich nicht allein gegen­sätz­lich ge­genüber, wie es der Wes­ten sieht, son­dern ergän­zen sich zusätz­lich. Zusam­men bil­den sie wie bei­spiels­wei­se das Ein- und Aus­at­men ein nicht auf­trennbares Gan­zes, Pola­ri­tät genannt. Die Welt besteht aus Pola­ri­tä­ten; nichts steht also für sich allein, alles hat sei­ne Ergän­zung. Des­halb wird hier mit einem Pol stets die gesam­te Pola­ri­tät unter­sucht. So bil­den Theo­rie und Pra­xis eine Pola­ri­tät. Des­halb heißt es, Theo­rie ohne Pra­xis ist unnütz, Pra­xis ohne Theo­rie gefähr­lich. Die theo­re­tisch dar­ge­leg­ten Mus­ter wer­den prak­tisch umge­setzt und auf die­se Wei­se erprobt. Nur so kann die Gewiss­heit ent­ste­hen, dass die­se Geset­ze und Prin­zi­pi­en uni­ver­sell sind. Nichts ist hier zu glau­ben.

Auf dem fried­lich-evo­lu­tio­nä­ren Weg ist die Stär­kung der eige­nen psycho-phy­si­schen Kon­sti­tu­ti­on von grund­le­gen­der Bedeu­tung. Dabei ist die Ord­nung des Uni­ver­sums unver­zicht­bar, da sie es erlaubt, Gegen­sät­ze in ihrer Tie­fe zu ver­ste­hen. An ihr kön­nen sich die Ein­zel­nen aus­rich­ten bei ihrem Bemü­hen, in ihrem Inne­ren sta­bil, wider­stands­fä­hig und beharr­lich zu wer­den und im Äuße­ren offen, wohl­wol­lend und geschmei­dig. Eine sol­che Kon­sti­tu­ti­on ist nicht nur ange­sichts der Schwie­rig­kei­ten der kom­men­den Zei­ten uner­läss­lich, son­dern auch bei dem Bemü­hen, sich aus den Fän­gen der eige­nen ein­ge­schlif­fe­nen Ver­hal­tens­mus­ter und Denk­ge­wohn­hei­ten zu befrei­en.

Für Geor­ges Ohsa­wa ist Yang im Inne­ren und Yin im Äuße­ren das grund­le­gen­de Kon­struktionselement bei der Bil­dung die­ses Univer­sums. Sich die­se Ver­fasst­heit zu eigen zu machen heißt, sich wie das Uni­ver­sum selbst zu ver­hal­ten. Damit passt sich der Mensch an die Ver­fasstheit des Univer­sums an. So kann er im Ein­klang mit dem Uni­ver­sum leben und mit dem all­ge­gen­wär­ti­gen Wan­del flie­ßen. Des­halb geht es auf dem fried­lich-evo­lu­tio­nä­ren Weg dar­um, die­se Ver­fasst­heit in der eige­nen psycho-phy­si­schen Kon­sti­tu­ti­on zu rea­li­sie­ren wie auch im eige­nen Ver­hal­ten beim all­täg­li­chen Mit­ein­an­der und in den kol­lek­ti­ven gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren. Die­se Ent­wick­lung bedeu­tet Wachs­tum und immer grö­ße­ren Ein­klang mit dem Kos­mos.