Die west­li­che Sicht

Mit der Erklä­rung der Men­schen­rech­te beginnt der Weg der fran­zö­si­schen Repu­blik. Heu­te sind die west­li­chen Demo­kra­tien inner­lich aus­ge­höhlt, so dass mäch­ti­ge Inter­es­sen­grup­pen ihre Inter­es­sen offen oder ver­deckt im Zen­trum der Macht durch­set­zen kön­nen. Wenn die­se Ent­wick­lung gestoppt wer­den soll und wir die Men­schen­rech­te nicht gänz­lich ver­lie­ren wol­len, müs­sen die Grund­wer­te, also Gleich­wer­tig­keit und das Wer­te­paar Eigenverantwortlichkeit/individuelle Frei­heit umge­setzt wer­den. Mit ande­ren Wor­ten: Wir müs­sen fried­lich-evo­lu­tio­när han­deln.

Der Dar­le­gung des fried­lich-evo­lu­tio­nä­ren Wegs aus west­li­cher Sicht geht eine Ana­ly­se vor­aus. Dabei wird unter­sucht, wie sich die heu­te welt­weit vor­herrschende Geis­tes­hal­tung, die soge­nann­te ego­zen­trier­te Rational­ität, auf die Lebens­grund­la­gen der Mensch­heit aus­wirkt. Die ego­zen­trier­te Ratio­na­li­tät, mit der das kurz­fristig gese­he­ne Mög­lichst viel für mich ange­strebt wird, ohne mit­tel- oder langfris­tige Fol­gen oder die Belan­ge ande­rer mit zu beden­ken, ist eng mit dem Kapi­ta­lis­mus ver­bunden. Die­se Geis­tes­hal­tung ist berech­nend und mate­ria­lis­tisch, dem eige­nen Nut­zen und der Berei­che­rung zuge­wandt.

Die Ana­ly­se zeigt, dass sich die ego­zen­trier­te Ratio­na­li­tät in Denk­fal­len ver­strickt, aus denen sie sich in letz­ter Kon­se­quenz nicht selbst befrei­en kann. Die­se soge­nann­ten Ratio­na­li­täts­fal­len wie bei­spielsweise das Nutzungs‑, Bei­trags- und Ge­fangenendilemma wir­ken sich zer­stö­re­risch auf die Gemein­schaftsgüter der Mensch­heit aus. Kon­kret zei­gen sie sich in zer­split­ter­ten Gesell­schaften, in her­un­ter­ge­wirt­schaf­te­ten Gemein­schaftsgütern, ver­stärk­tem Miss­trau­en und Konkur­renzverhalten und der Unfähig­keit, anste­hen­de und dring­li­che Pro­ble­me nachhal­tig zu lösen. Es sind töd­li­che Fal­len.

Bei der ers­ten Schlüs­sel­fra­ge ist zu beant­wor­ten, wie erfolg­rei­che­re und attrak­ti­ve­re Ein­stel­lun­gen als die ego­zen­triert ratio­na­lis­ti­sche ein funk­tio­nie­ren­des Sys­tem der Selbst­steue­rung hervor­bringen kön­nen, um Macht­miss­brauch und die ver­hee­ren­den Ein­fluss­nah­men zu ver­hindern. Solan­ge die­ses Pro­blem nicht gelöst ist, wer­den ego­zen­trier­te Ratio­na­lis­ten ihren Ein­fluss über­all, ins­be­son­de­re im Zen­trum der Macht, gel­tend machen, ihre In­teressen durch­set­zen und nöti­ge Ver­än­de­run­gen ver­hin­dern.

Der fried­lich-evo­lu­tio­nä­re Weg beant­wor­tet die ers­te Schlüs­sel­fra­ge mit der kon­kre­ten Umset­zung der Grund­wer­te. Fried­lich-evo­lu­tio­när beim mensch­li­chen Mit­ein­an­der zu han­deln heißt, die Grund­wer­te, also die Gleich­wer­tig­keit der Men­schen unter­ein­an­der und das Wer­te­paar Eigenverantwortlich­keit/individuel­le Frei­heit, beim Mit­ein­an­der mit Gleich­ge­sinn­ten umzu­set­zen.

Kon­se­quent geleb­te Gleich­wer­tig­keit beim Mit­ein­an­der schafft Einverständn­is, Ver­trau­en und sozia­len Frie­den. Eigen­ver­ant­wort­lich zu han­deln bedeu­tet in die­sem Rah­men kon­kret, freund­lich und höf­lich Kon­flik­te und Unklar­hei­ten schnell anzu­spre­chen und und auf einer Klä­rung zu bestehen. Damit sind einer zügel­lo­sen Frei­heit Gren­zen gesetzt.

Wenn es auf die­ser Grund­la­ge Grup­pen Gleich­ge­sinn­ter gelingt, gemein­sam ihre Pro­jek­te zu reali­sieren, errich­ten sie funk­tio­nie­ren­de Sys­te­me der Selbst­steue­rung zur Konflikt­bewältigung und Struk­tu­rie­rung ihrer Belan­ge. Das bedeu­tet Grup­pen frei­er Men­schen mit einem star­ken sozia­len Zusam­men­hang. Damit errich­ten sie ein Boll­werk gegen jede Art von Macht­miss­brauch und der Durch­set­zung von Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen. In die­sem Augen­blick kann ego­zen­triert ratio­na­lis­ti­schen Ver­su­chen, Regeln zu über­schrei­ten oder zu ihrem Vor­teil zu ver­än­dern, wir­kungs­voll ent­ge­gen­ge­tre­ten wer­den. So kön­nen zunächst lokal und dann im Zusam­men­schluss der­ar­ti­ger Grup­pen auch glo­bal Macht­miss­brauch und Ein­fluss­nah­men ein­ge­dämmt wer­den. Des­halb sind die Grund­wer­te grund­le­gend für eine längst fäl­li­ge und heu­te geschicht­lich zwin­gend anste­hen­de mensch­li­che und sozia­le Entwickl­ung.

Der fried­lich-evo­lu­tio­nä­re Weg ist aus west­li­cher Sicht ein prak­ti­scher Weg zur indi­vi­du­el­len und kol­lek­ti­ven Wei­ter­ent­wick­lung. Wer die­sen Weg geht, wird den Blick auch nach innen wen­den, Verant­wortung für sich und sein Han­deln über­neh­men. Er wird das eige­ne Ver­hal­ten und Welt­ver­ständ­nis re­flektieren und gege­be­nen­falls Ein­stel­lun­gen, Den­ken und Sicht  ändern. Da die Umset­zung der Grund­wer­te anspruchs­voll ist, wer­den sich die Ein­zel­nen gleich­zei­tig um eine belast­ba­re und zugleich geschmei­di­ge psycho-phy­si­sche Kon­sti­tu­ti­on bemü­hen. Gelingt die­se Ent­wick­lung ist auf viel­fäl­ti­ge Wei­se Yang im Inne­ren und Yin im Äuße­ren. Das bedeu­tet Ein­klang mit dem Uni­ver­sum.