Die Ordnung des Universums ist auf allen Gebieten anwendbar. Als ein in sich geschlossenes, explizit dargelegtes System zur Beschreibung dieses Universums stellt sie den Wunschtraum der modernen Physik dar, die Welt der Materie mit zwei Kräften zu beschreiben. Dennoch tendiert der Weg, dem das menschliche Erkenntnisvermögen in den westlichen Wissenschaften folgt in eine andere Richtung, als sie sich in diesem fernöstlichen Erkenntnissystem darstellt. In den westlichen Wissenschaften führt er vom Einzelnen zum Allgemeinen, um so zu einem Verständnis des Gesamten zu gelangen, während in der Ordnung des Universums die Gesetze des Gesamten bereits bekannt sind und benutzt werden, um das Spezielle zu verstehen.
Die Ordnung des Universums eröffnet dem westlichen, analytisch geprägten Menschen einen Zugang zum klassischen chinesischen Denken und seinem Weltverständnis. Viele Leser und Leserinnen dieser Zeilen werden weder damit noch mit Georges Ohsawas Ordnung des Universums vertraut sein. Ihnen mag die Behauptung vermessen vorkommen, die dem Universum zugrunde liegenden Muster zu kennen, ob sie nun explizit dargestellt oder implizit wie im I‑Ging vermittelt werden. Wer hier zu einer Gewissheit gelangen will, muss sich auf die Ordnung des Universums einlassen und ihre Muster und Prinzipien intensiv theoretisch überprüfen und praktisch ausprobieren. Auch Theorie und Praxis bilden eine Polarität. Deshalb heißt es: „Theorie ohne Praxis ist unnütz, Praxis ohne Theorie ist gefährlich.“ Diese Maxime ist im Rahmen der Ordnung des Universums von grundlegender Bedeutung.
Praxis ist unerlässlich, wenn es darum geht, zu einem eigenständigen, fundierten Urteil zu gelangen. Die Theorie zeigt die Richtung an, doch erst die Praxis kann die Gewissheit vermitteln, dass Georges Ohsawas explizit formulierte Muster die Ordnung des Universums widerspiegeln. Dazu werden ihre Prinzipien und Gesetze überall, wo es möglich ist, angewandt und experimentierend einer gründlichen Überprüfung unterzogen. Nichts ist zu glauben. Wenn dann die Überzeugung reift, dass die Prinzipien und Gesetzen der Ordnung des Universums das Geschehen dieser Welt beschreiben, kann ein Leben begonnen werden, das sich an dieser Weltsicht orientiert und nicht mehr ausschließlich an den eigenen Vorlieben, Vorstellungen und Verhaltensmustern.
Vielleicht ist nichts hilfreicher als uns selbst mit unseren eingefleischten und meist liebgewonnenen Lebensgewohnheiten, vor allem unserem Essverhalten, in diesem Spiegel zu reflektieren. So sind Hunger und Sättigung zwei Seiten einer Medaille; nach der Ordnung des Universums ergänzen sie sich und bilden eine Polarität. Hier wird die Ordnung des Universums zu einem Spiegel, in dem wir uns, unsere Denk- und Verhaltensmuster wie auch unsere Essgewohnheiten dauerhaft reflektieren können. Dieses Vorgehen, das sich auf Studium und Praxis stützt, zielt darauf, dem Einzelnen eine verlässliche, erprobte Sicht der Wirklichkeit zu vermitteln.
Doch das eigentliche Potential dieser fernöstlichen Sicht geht weit darüber hinaus, denn es stellt einen veritablen Quantensprung des Verstehens dar. Wer sich darauf durch Praxis und Studium einlässt, kann immer wieder neue Sachgebiete durchdringen, indem er dort die Gesetze und Prinzipien der Ordnung des Universums anwendet. So können die Einzelnen sich jedes Sachgebiet erschließen und dabei gleichzeitig die Gültigkeit sowohl der Muster der Ordnung des Universums als auch die Erkenntnisse des jeweiligen Spezialgebietes, sei es die Quantenphysik, Gartenbau oder Erkenntnisse der Soziologie, überprüfen.
Dieses Weltverständnis kann in dem dialektischen Zusammenspiel von Theorie und Praxis so weit assimiliert werden, dass die Einzelnen nicht mehr intellektuell, sondern intuitiv erfassen. Um dorthin zu gelangen ist, um es zu wiederholen, nichts ist zu glauben, doch müssen die Einzelnen sich auf die Ordnung des Universums einlassen und sie in der Praxis eingehend überprüfen.
Eine ausführliche Einführung bietet die Schrift Ein verwegenes Leben und sein zureichender Grund.
© edition zenon, Mai 2026
