Makro­bio­tik

Die Über­tra­gung der Ord­nung des Uni­ver­sums auf die Ernäh­rung wird Makro­bio­tik genannt. In ihrer heu­ti­gen Form geht sie auf Geor­ges Ohsa­wa zurück.

Der Begriff „Makro­bi­os“ wur­de zum ers­ten Mal von Hip­po­kra­tes im fünf­ten Jahr­hun­dert vor unse­rer Zeit­rech­nung ver­wen­det und bedeu­tet so viel wie „lan­ges Leben“ oder „gro­ßes Leben“. Ihr Grund­prin­zip besagt, dass Gesund­heit mit Ernäh­rung ver­bun­den ist und eine aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rung zu einem lan­gen, gesun­den und selbst­be­stimm­ten Leben zu ver­hel­fen ver­mag.

Die moder­ne Makro­bio­tik steht für ein Leben inner­halb der Ord­nung des Uni­ver­sums. Hier wird das Ein­zi­ge Prin­zip auf die Ernäh­rung ange­wen­det, um die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se an wech­seln­de Erfor­der­nis­se, an Jah­res­zeit, Kli­ma­zo­ne und Wet­ter anzu­pas­sen oder um Ungleich­ge­wich­te aus­zu­glei­chen und Krank­hei­ten zu hei­len. Die­se Anglei­chung wird bewusst voll­zo­gen, indem die jewei­li­ge Situa­ti­on im Rah­men von Yin und Yang beur­teilt wird und dar­auf­hin Nah­rungs­mit­tel und Zube­rei­tungs­art ent­spre­chend aus­ge­wählt wer­den. Geor­ges Ohsa­wa schreibt:

Die­ser Weg [die Makro­bio­tik; E.Z.] steht allen offen, dem Rei­chen und Armen, dem Klu­gen und Unwis­sen­den. Er ist sehr ein­fach. Alle die­je­ni­gen, die sich wirk­lich von ihren phy­sio­lo­gi­schen und men­ta­len Schwie­rig­kei­ten befrei­en wol­len, kön­nen ihm in ihrem All­tags­le­ben fol­gen. Mil­lio­nen Men­schen führ­ten wäh­rend tau­sen­der von Jah­ren im Fer­nen Osten ein frei­es und glück­li­ches Leben; sie genos­sen Frie­den und Kul­tur und Frie­den dank der makro­bio­ti­schen Leh­re eines Lao-tse, Song-tse, Kon­fu­zi­us, Bud­dha, Maha­vi­ra, Nagar­ju­na usw., und lan­ge vor ihnen der Wei­sen, die die medi­zi­ni­sche Wis­sen­schaf­ten Indi­ens aus­ar­bei­te­ten.

Geor­ges Ohsa­wa: Zen Makro­bio­tik. Der Weg zur Lang­le­big­keit und Ver­jün­gung. Ver­lag Franz Thie­le, Ham­burg, 20. Auf­la­ge, 1988, S. 11.

Wer die Makro­bio­tik im täg­li­chen Leben anwen­den will, muss Nah­rungs­mit­tel im Rah­men von Yin und Yang beur­tei­len kön­nen. Da sie alle sowohl Yin- als auch Yang-Eigen­schaf­ten haben, muss der Ein­zel­ne um die Stär­ke des Ein­flus­ses der unter­schied­li­chen Fak­to­ren und Merk­ma­le Bescheid wis­sen. Eine der genau­es­ten Metho­den besteht dar­in, den jah­res­zeit­li­chen Zyklus des Wachs­tums der betref­fen­den Pflan­ze zu beob­ach­ten. Eben­so kön­nen Pflan­zen nach ihrer Far­be ein­ge­teilt wer­den. Vio­lett, Indi­go-Blau, Grün und Weiß sind stär­ker Yin-Far­ben, Gelb, Braun und Rot stär­ker Yang. Auch die Her­kunft spielt bei der Beur­tei­lung eine wich­ti­ge Rol­le, ob tro­pi­schen Ursprungs oder ob das Nah­rungs­mit­tel aus gemä­ßig­ten Gegen­den stammt.

Die makro­bio­ti­sche Stan­dard­er­näh­rung besteht aus fünf­zig bis sech­zig Pro­zent Voll­korn­ge­trei­de, zwan­zig bis fünf­und­zwan­zig Pro­zent Gemü­se, fünf bis zehn Pro­zent Hül­sen­früch­te und Mee­res­ge­mü­se sowie ein eben­so gro­ßer Anteil an Sup­pen. Zusätz­li­che Ergän­zun­gen sind fett­ar­mer Fisch und Mee­res­tie­re, Obst nach Jah­res­zeit, Nüs­se und Samen, natür­lich her­ge­stell­te Würz­mit­tel und Gewür­ze sowie natür­li­che, nicht-anre­gen­de und nicht-aro­ma­ti­sche Geträn­ke ver­schie­de­ner Art. Aus der Stan­dard­er­näh­rung lässt sich eine Viel­zahl von Mahl­zei­ten zube­rei­ten, die es erlau­ben, Bedürf­nis­sen fle­xi­bel zu ent­spre­chen, auf ver­än­der­te äuße­re Bedin­gun­gen zu reagie­ren und indi­vi­du­el­le Ungleich­ge­wich­te aus­zu­glei­chen.

Die Makro­bio­tik erlaubt alles zu essen, was wir wol­len, unter der Bedin­gung, wir wis­sen, wie wir unse­re Mahl­zei­ten aus­glei­chen kön­nen. Im Krank­heits­fall wird häu­fig gera­ten, sich von Getrei­de, vor allem Reis, zu ernäh­ren und noch sorg­fäl­ti­ger als sonst zu kau­en. Zucker wird nicht als Nah­rungs­mit­tel ange­se­hen.

Die makro­bio­ti­sche Nah­rungs­zu­be­rei­tung ist eine veri­ta­ble Kunst; des­halb beruht die Makro­bio­tik nicht allein auf Buch­wis­sen. Der Ein­zel­ne braucht vor allem am Anfang Anlei­tung und Bei­stand. Ein Grund­la­gen­un­ter­richt zusam­men mit vor­be­rei­ten­den Richt­li­ni­en ist unum­gäng­lich, um die Beur­tei­lung der Nah­rungs­mit­tel nach Yin und Yang, die Koch­tech­ni­ken, die Gestal­tung einer prak­ti­schen Küche, die Her­stel­lung aus­ge­wo­ge­ner Mahl­zei­ten bei Berück­sich­ti­gung der indi­vi­du­el­len Erfor­der­nis­sen zu erler­nen.

Aus indi­vi­du­el­ler Sicht ist die Makro­bio­tik „eine per­ma­nen­te indi­vi­du­el­le Revo­lu­ti­on durch eine bio­lo­gi­sche, phy­sio­lo­gi­sche und logi­sche Erzie­hung“, wie Geor­ges Ohsa­wa es aus­drückt. Sie leh­re frei und gesund zu leben. Auf die­sem Weg über­nimmt der Ein­zel­ne selbst die Ver­ant­wor­tung für sich und sei­ne Gesund­heit und pro­ji­ziert Krank­heit nicht auf äuße­re Umstän­de: Er sucht die Ursa­chen von Krank­heit in sei­nem Ver­hal­ten und ver­än­dert es, wenn er erkennt, wel­che Mus­ter zu den ent­spre­chen­den kör­per­li­chen Ungleich­ge­wich­ten geführt haben. Das bedeu­tet Arbeit an sich. Der Makro­bio­tik­leh­rer Jac­ques Skal­ka sagt dazu:

Ich bin sehr glück­lich, in die­sen Geset­zen die Mög­lich­keit der stän­di­gen Arbeit an sich selbst auf­ge­deckt zu haben. Sobald Sie unzu­frie­den sind, sobald Sie Schwie­rig­kei­ten haben, kön­nen Sie in die­sen Geset­zen fin­den, war­um Sie ein Pro­blem haben, war­um es schwie­rig ist, wel­che Beson­der­heit Ihres Cha­rak­ters Sie unglück­lich macht und war­um Sie Schwie­rig­kei­ten haben, die Situa­ti­on zu akzep­tie­ren.

Jac­ques Skal­ka: Die uni­ver­sa­len Geset­ze und der Cha­rak­ter oder: Wie wir an uns arbei­ten kön­nen. Das Gros­se Leben Nr. 60, S. 18–24. 

Die­se Arbeit an sich und den eig­nen Ein­stel­lun­gen ist der Aus­gangs­punkt für ein Leben im Ein­klang mit dem Uni­ver­sum. Sie ist die Basis für Gesund­heit, Glück und ein tie­fes Ver­ständ­nis der kos­mi­schen Ord­nung sowie zur Rea­li­sie­rung der eige­nen Pro­jek­te und Wün­sche.

Neben dem indi­vi­du­el­len darf der kol­lek­ti­ve und sozia­le Aspekt der Makro­bio­tik nicht ver­ges­sen wer­den. Von grund­le­gen­der Bedeu­tung ist dabei, dass die Erde etwa zehn Mil­li­ar­den Men­schen auf der Basis einer makro­bio­ti­schen Lebens­form unter den Bedin­gun­gen der 1990er Jah­ren nach­hal­tig ernäh­ren kann.

Eine wei­ter­ge­hen­de Aus­füh­rung ist zum Bei­spiel in dem Abschnitt Makro­bio­tik der Schrift Ein ver­we­ge­nes Leben und sein zurei­chen­der Grund zu fin­den.

© edi­ti­on zen­on, März 2026


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