Song-Tses Maxi­me

Nach Song-Tse, einer der sie­ben Stra­te­gen des klas­si­schen Chi­na, hat alles, was Yang im Inne­ren und Yin im Äuße­ren ist, das Poten­zi­al zur Ent­wick­lung. Alle Phä­no­me­ne wie der Mensch, aber auch Grup­pen und Orga­nis­men, kön­nen sich mit einer sol­chen Kon­sti­tu­ti­on wei­ter­ent­wi­ckeln. Das EINE mit sei­ner atem­be­rau­ben­den Schöp­fung bezeugt dies ein­drucks­voll.

Song-Tses Maxi­me lau­tet in ihrer Ge­samtheit:

Wer fest und den­noch nach­gie­big ist, wird sich ent­wi­ckeln,

Wer schwach und tätig ist, wird berühmt,

Wer schwach und nach­gie­big ist, wird alles ver­lie­ren,

Wer fest und aktiv ist, wird ohne Aus­nah­me unter­lie­gen.

Geor­ges Ohsa­wa: Jac­ques et Miti en Occi­dent. (dt. Jack und Mitie im Okzi­dent), Librai­rie Phi­lo­so­phi­que J. Vrin, Paris, 1991, S. 68.

Ihre Erläu­te­rung nach Geor­ges Ohsa­wa:

Wer Yin (nach­gie­big) in sei­ner Erschei­nung ist und Yang (stark) im Grun­de sei­nes Wesens, wird sich end­los ent­wi­ckeln. Wer schwach (Yin) im Grun­de sei­nes Wesens ist, aber tätig und ener­gisch sich nach außen zeigt (Yang), gewinnt Anse­hen. Wer nach außen nach­gie­big scheint (Yin), aber im Grun­de schwach ist (Yin), wird alles ver­lie­ren. Wer ener­gisch und tätig ist in sei­ner Erschei­nung (Yang) und hart im Grun­de sei­nes Wesens (Yang), wird frü­her oder spä­ter unter­lie­gen, ohne Aus­nah­me.

Ibid.;

Ein Bei­spiel für den zwei­ten Fall sind heu­te Mana­ger, Ban­ker, Poli­ti­ker, die sich ohne inne­re Fes­tig­keit und Sub­stanz dem welt­weit vor­herr­schen­den Kapi­ta­lis­mus ver­schrei­ben und des­sen Wer­te und Leh­ren skru­pel­los durch­set­zen. Ein wei­te­res ist Deutsch­land, ein Yin Volk, wäh­rend des Drit­ten Reichs. Eine inne­re Schwä­che wird mit einer mäch­ti­gen Ideo­lo­gie über­deckt, die dann tat­kräf­tig umge­setzt wird. Aber auch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land kann hier als Bei­spiel die­nen.

Über vie­le Jahr­zehn­te wur­de die Wirt­schafts­po­li­tik ein­sei­tig auf den Export aus­ge­rich­tet. Dazu wur­den Mil­lio­nen bil­li­ger Arbeits­kräf­te aus vie­len Tei­len der Welt ins Land geholt, in ein Land ohne sta­bi­le Iden­ti­tät und funk­tio­nie­ren­de Leit­kul­tur. Dort wur­den sie über vie­le Jahr­zehn­te nicht oder nur halb­her­zig inte­griert. Als zu Beginn des neu­en Jahr­tau­sends die Wirt­schaft mit Bil­lig­löh­nen inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig blei­ben woll­te, ver­arm­ten grö­ße­re Bevöl­ke­rungs­krei­se. Es kam zu einem Legi­ti­mi­täts­ver­lust der staat­li­chen Insti­tu­tio­nen, der bis heu­te anhält. Die bereits davor unzu­rei­chen­de inne­re Sub­stanz Deutsch­lands wur­de wei­ter aus­ge­höhlt. Auch die äuße­re Stär­ke wan­del­te sich in Schwä­che, mit der Kon­se­quenz, dass heu­te sowohl das Inne­re wie das Äuße­re des Lan­des von Yin geprägt sind. Wer schwach im Inne­ren wie im Äuße­ren ist, wird Song-Tse fol­gend alles ver­lie­ren. (Wei­ter­ge­hen­de Erläu­te­run­gen zu die­sem The­ma sind in den bei­den Schrif­ten zur Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in der Rei­he Unzu­rei­chend beant­wor­te­te Her­aus­for­de­run­gen und ihre Fol­gen zu fin­den.)

Allein eine Ver­fasst­heit mit Yang im Inne­ren und Yin nach außen birgt in sich das Poten­zi­al zur Ent­wick­lung in einem dyna­mi­schen Gleich­ge­wicht. Sie erlaubt es zusam­men mit einem Ver­ständ­nis der Ord­nung des Uni­ver­sums, Schwie­rig­kei­ten und Nach­tei­li­ges zur Wei­ter­ent­wick­lung nut­zen zu kön­nen. Yang im Inne­ren und Yin im Äuße­ren kann auch als eine wir­kungs­vol­le, mäch­ti­ge Stra­te­gie ver­stan­den wer­den, die zu ande­ren Zei­ten la stra­te­gia divina genannt wer­den wür­de. 

Der fried­lich-evo­lu­tio­nä­re Weg ist aus fern­öst­li­cher Sicht der Weg des Yang im Inne­ren und Yin im Äuße­ren.

© edi­ti­on zen­on, Mai 2026



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